Sommerschnitt | Drucken |

Eine wichtige Ergänzung der Schnittmaßnahmen im Winter

Auch wenn im Sommer die Arbeit im Garten nicht enden will und man manchmal nicht weiß, was  zuerst gemacht werden soll, wäre es wichtig für die Obstbäume etwas Zeit einzuplanen. Ab Mitte Juli bis in den September hinein kann der so genannte Sommerschnitt durchgeführt werden. Für die Lösung  mancher Probleme des Obstbaus ist er eine hervorragende Alternative und Ergänzung zum Winterschnitt.
Beim Winterschnitt bilden sich nach einem starken Eingriff  an der Spitze der Krone eine Vielzahl steil nach oben wachsender Triebe, die so genannten Wasserschosse. Diese Triebe können nicht für den Aufbau des Baumes gebraucht werden. Schneidet man sie ab, treiben aus dem verbleibenden Astring die bisher nicht aktiven „schlafenden Knospen“ aus und werden zu neuen Wasserschossen, Jahr für Jahr. Ein Kreislauf, dem man entkommen kann, wenn man die noch nicht verholzten Triebe von Hand abreißt. Dann wird auch der Astring entfernt und, anders als beim Schneiden mit der Schere, mit ihm die „schlafenden Knospen“. Die Wunden verheilen im Sommer sehr schnell und man hat so eine Menge an Winterarbeit eingespart. Dieser sogenannte "Sommerriss" kann Ende Juni beginnen und sollte spätestens Ende Juli abgeschlossen sein. Danach verholzen die Wasserreiser zu stark und es werden unnötig große Wunden gerissen.

Bei sehr starkwüchsigen Bäumen, kann man das Triebwachstum durch einen Sommerschnitt wirkungsvoller bremsen als durch das Schneiden im Winter, weil die Nährstoffproduktion, die über die Blätter erfolgt durch das Auslichten reduziert wird. Gleichzeitig werden die Früchte besser belichtet, was die Lagerfähigkeit von Äpfeln und Birnen begünstigt.
Durchgeführt wird der Schnitt etwa ab Mitte August. Schneidet man vorher, wird die Blütenbildung für das nächste Jahr beeinträchtigt und es besteht die Gefahr, dass unnötige Triebe nachwachsen.
Besonders an den klein bleibenden Buschbäumen und den so genannten Spindelbüschen lohnt sich der Sommerschnitt für eine bessere Belichtung des Kroneninneren und eine Verbesserung der Fruchtqualität. Kleinere Kronen und damit leichtere Ernten sind ein weiterer Nebeneffekt.

Fruchtausdünnung am Apfel

 

Zu kleine Früchte nimmt man weg, genau wie die Jahrestriebe, die die Äpfel beschatten. Zwanzig Blätter braucht eine Frucht um optimal ernährt zu werden.

 

 

 

 

 

 

 

Fruchtausdünnung am Apfel

Es können alle nach innen wachsenden Zweige und Äste entfernt werden und die außen zu lang aufschossenden diesjährigen Triebe werden bis zum nächsten Fruchtansatz eingekürzt.
Außerdem kann man jetzt die an Jungbäumen zu steil nach oben wachsenden Triebe waagerecht binden, um sie zu Fruchtholz umzuerziehen und so schneller einen größeren Ertrag zu bekommen. Man muss aber darauf achten nicht zu früh eine höhere Erntemenge erzwingen zu wollen. Bleibende Wachstumsschäden können die Folge sein.
Unterbleiben sollte der Sommerschnitt bei Bäumen, die zu schwach wachsen oder reichlich Früchte tragen. Hier wird jedes Blatt zur Ernährung gebraucht.
Sauerkirschen lassen sich generell am besten gleich nach der Ernte schneiden, namentlich die Sorte ’Schattenmorelle’. Diese hat die Eigenschaft Langtriebe auszubilden, die nach dem Fruchten kahl bleiben und auch nicht dicker werden, so dass sich nach drei bis vier Jahren lang herunterhängende Peitschen bilden. In dieses kahle Holz zu schneiden ist sinnlos, da hier kein Austrieb mehr stattfindet. Man schneidet die Peitschen komplett an einjährigen Trieben ab, die sich meist an dickeren Ästen gebildet haben.

 

 

○ Entwicklungsphasen des Obstbaums


Ruhephase bis Anfang März im Frühjahr, unter auslösenden Faktoren wie Wärme, Licht und Tageslänge schwellen tausende Blatt- und Blütenknospen an, um schließlich Mitte April auszutreiben. Die Energie dazu wurde im Herbst im Stamm, in der Wurzel und in den Knospen in Form von Stärken, Eiweiß und Fettstoffen eingelagert. Blüten und Blättchen sind schon vorgebildet. Entfalten sich, wenn Hüllblättchen abgesprengt sind. Noch nicht vollständig geklärt ist, wie  die Wuchssteuerung durch Hormone und Enzyme funktioniert.

Der  Maitrieb beginnt nach der Blüte , wird aus den Nährstoffvorräten des Vorjahres gebildet. Aber auch das Wurzelwachstum hat voll eingesetzt, es werden ständig neue Faserwurzeln produziert, die Wasser und darin gelöste Nährstoffe aufnehmen und zu den Blättern transportieren.
Im Juni sind die Blätter voll ausgebildet, übernehmen die für die weitere Entwicklung notwendige Energielieferung und wandeln die von den Wurzeln gelieferten Nährstoffe durch Sonnenlicht und Photosynthese in für das Pflanzenwachstum  verwendbare Zuckerstoffe und Assimilate um.
Mitte Juni tritt deutliche Ruhepause im Zweigwachstum ein und der Baum wirft schlecht befruchtete, wurmig und überzählige Früchte im Junifruchtfall  ab. Gleichzeitig  werden tendenziell  die Blütenanlagen für das nächste Jahr festgelegt. Sie richten sich nach dem aktuellen Fruchtbehang und dem Nährstoffangebot. Ein guter Zeitpunkt für die Düngung und die Fruchtausdünnung.
Im Juli folgt eine zweite  Austriebsphase, die im Spätsommer mit der Verholzung des Neutriebes ihr Ende findet. Gleichzeitig differenzieren sich Blatt- und Blütenknospen weiter. Bei den Süßkirschen findet dies sogar schon
bei der Ernte statt. Wenn sich an der Spitze des Neutriebes die dicken Terminalknospen zeigen, ist dies ein sicheres Zeichen, dass das Wachstum abgeschlossen  ist.
Der Spätsommer ist gekennzeichnet durch die Fruchtproduktion. Der Baum setzt alle  Kraft ein, sie an Gewicht, Farbe und Geschmack zunehmen zu lassen. Nach der Ernte beginnt nach den ersten Frösten die Herbstfärbung und das Einlagern der Assimilate aus Blättern, Zweigen und äußeren Ästen in den Stamm und in die Wurzel als  Energiereserve für den Austrieb im nächsten Jahr.

 

Fruchtvermeidungsschnitt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fruchtvermeidungsschnitt

 

Was ist das besondere an einem Obstbaum?


• Der Baum besteht aus zwei verschiedenen Pflanzen, die zu einer verwachsen sind.
• Das sind die Edelsorte und die Unterlage.

Was ist eine Edelsorte?

• Die Edelsorte bestimmt die Früchte, die auf dem Baum wachsen.
• Sie bestimmt auch die Wuchsform des Stammes und der Krone.

Was ist eine Unterlage?

Die Unterlage liefert nicht nur die Versorgung des veredelten Triebes mit Wasser und Nährstoffen, sondern hat auch starken Einfluss auf die Edelsorte. So werden verschiedene Faktoren wie Wuchsstärke, Fruchtgröße, -ausfärbung, -reifezeit oder Blütenansatz und Blütenfarbe je nach Unterlage beeinflusst.


 Der Baum hat viel zu stark getrieben Der gleiche Baum ein halbes Jahr später.

Er hat nur Wassertriebe gemacht. Die Früchte lassen sich an einer Hand abzählen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Baum hat viel zu stark getrieben

Wo und wann wenden wir den Sommerschnitt an?


• Wenn nach einem starken Eingriff in die Krone zahlreiche Wasserreiser austreiben führen wir den Johanniriss durch.
• Bei starkwüchsigen Bäumen schneiden wir im August um eine Wuchsbremse zu erreichen.
• Bei der Schattenmorelle um wirksam gegen die Peitschenbildung vorzugehen.
• Bei den Pflaumen, weil man jetzt gut das tote von dem lebendigen Holz unterscheiden kann.
• Bei der Walnuss schneidet man ab Anfang September auch dicke störende Äste heraus. Je näher man an die Wintermonate kommt, umso größer ist die Gefahr des Ausblutens.
• Um alle Formen von Wunden oder Verletzungen zu behandeln.
• Um Bäume zu schneiden, die in unbelaubtem Zustand schlecht zu beurteilen sind.

Wo und wann können wir den Sommerschnitt nicht anwenden?


¯ Bei Bäumen die Früchte tragen.
¯ Bei schlecht wachsenden Bäumen. Je früher man schneidet, umso mehr schwächt man den Baum.
¯ Wenn die Gefahr einer Infektion besteht (Feuerbrand). Feuerbrand ist eine durch ein Bakterium ausgelöste                  Infektionskrankheit.
¯ Nie mehr als ein Drittel der Lebendsubstanz schneiden. Sommer- und Winterschnitt zusammengerechnet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem behutsamen Auslichtungsschnitt um den Baum nach dem starken Eingriff im Frühjahr nicht zu sehr zu belasten.

Schnittregeln


1. Schauen Sie den Baum genau an. In welchem Entwicklungsstadium befindet er sich? Muss ein Aufbau- Erhaltungs- oder Verjüngungsschnitt durchgeführt werden?

2. Welches ist die Stammverlängerung, welches die drei (vier) Leitäste?

3. Entwickeln Sie innerlich ein Bild des Baumes, wie er unmittelbar nach dem Schnitt aussehen soll.

4. Legen Sie die Höhe der Stammverlängerung fest, der Winkel zu den Leitästen sollte an der Spitze gemessen  etwa  150° betragen.

5. Schneiden Sie alles nach innen wachsendes Holz an  der Stammverlängerung  heraus, kürzen Sie die  Stammverlängerung gegebenenfalls ein.

6. Behandeln Sie nun nacheinander die Leitäste, schneiden Sie alles nach innen wachsende Holz heraus, entfernen Sie Konkurrenztriebe und sich kreuzende Äste, kürzen Sie  gegebenenfalls die Leitäste ein.

7. Entspricht das Resultat des Schnittes dem Bild, das Sie sich gemacht hatten?