Obstbaumveredelung (in Arbeit) | Drucken |

 

 

Zur erfolgreichen Obstbaumveredelung sind drei Schritte notwendig:

1. Das Schneiden der Reiser an einem Frost freien Tag in der Zeit von Mitte Dezember bis Ende Januar.

2. Das Abwerfen der Baumkrone an dem Obstbaum, den man umveredeln will, im Februar.

3. Das Pfropfen der Reiser am Beginn des Austriebs Ende April bis Mitte Mai, je nach Witterung, bzw. die Kopulation auf eine Unterlage zum gleichen Zeitpunkt.

 

Zu 1)

Die Reiser der Edelsorte, die man aufpropfen will, sollten von einem gut im Ertrag stehenden Baum stammen. Hier schneidet man sie bevorzugt an der Südseite des Baumes im oberen Kronenbereich. Es kommen nur die einjährigen Triebe für die Veredelung in Betracht, also die, die im letzten Jahr gewachsen sind. Man darf keine Wasserreiser schneiden, Triebe, die  sich nach einem stärkeren Rückschnitt im Vorjahr entwickelt haben und die besenartig in größerer Anzahl steil nach oben wachsen. Bei ihnen sind die Abstände zwischen den Knospen zu groß.

Sind die Reiser geschnitten, werden sie der Länge nach in der Erde eingeschlagen, es sei denn man kann sie in einem kalten Keller lagern, wo man sie in feuchtem Sand lagert. Es ist sehr wichtig, dass man die Edelreiser sorgfältigs eingräbt, der hauptsächliche Faktor beim Misslingen der Veredelung sind zu trockene Reiser. Auch wenn der Boden zugefroren ist, wenn man die Edelreiser geschnitten hat, muss man sich die Mühe machen ihn aufzuhacken.

 

Die Kopulation

Die Kopulation ist die am häufigsten angewandte Veredelungsmethode, wenn Unterlage und Edelreis gleichstark sind. Sie funktioniert auch noch, wenn das Edelreis ein wenig schwächer ist. Beide Teile erhalten den Kopulierschnitt, sie werden in schräger Richtung durchgeschnitten. Der Schnitt wird ziehend ausgeführt und muss gerade und glatt sein, damit die Veredelungspartner genau aufeinander passen, so dass das Kambium von Edelreis und Unterlage millimetergenau passgerecht aufliegt.

 

Kopulation Kopulation mit Gegenzunge

A Edelreis, B Unterlage, C fertige Kopulation A Edelreis, B Unterlage, C fertige Kopulation   
a Kopulierschnitt, b Ansatz des Zungenschnitts, c der Zungenschnitt 

Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Veredelung ist das rasiermesserscharfe Kopuliermesser. Es wird mit einem Abziehstein ständig scharf gehalten.

Die Kopulation mit Gegenzunge ist die heute übliche Veredelungsart. Im oberen Drittels des Kopulierschnittes wird ein Einschnitt bei Unterlage und Edelreis gemacht. Die beiden Partner werden dann ineinander gesteckt und halten so schon fest und können beim verbinden nicht mehr verrutschen. Außerdem ist die Fläche größer geworden auf der das Kambium von Unterlage und Edelreis aufliegt.

Die Veredelungsstelle wird sofort mit Bast verbunden und mit einem speziellen Wachs bestrichen, so dass sämtliche Schnittstellen luftdicht abgeschlossen sind.

 

 

Verwachsungsprozess von Edelreis und Unterlage

 

Die Natur muss immer eine ganz besondere Aufgabe vollbringen, wenn Edelreis und Unterlage miteinander verwachsen sollen. Schließlich stammen beide von einer jeweils anderen Pflanze und es müssen nicht nur die beiden Kambien zusammenwachsen, sondern es wird auch die Nährstoffversorgung und der Wassertransport in die Zellen neu geordnet. Beim Edelreis sind durch den Kopulationsschnitt nicht nur Rinde und Holzzellen zerstört worden, auch das komplexe Gebilde der Versorgungsleitungen für Wasser und Nährstoffe wurde außer Kraft gesetzt. Bei der Unterlage sind die Wasser und Nährstoffleitungen zwar noch intakt, die Verletzungen an Holz und Rinde aber genau so groß.
Ist aber der Kopulationsschnitt sorgfältig ausgeführt, die Veredelungspartner zusammengefügt, fachgerecht verbunden und sorgfältig mit Wachs bestrichen wird die Veredelung wohl gelingen.
Wie das im einzelnen funktioniert wird im folgenden dargestellt.


1. Untermittelbar nach den Kopulationsschnitten kommt es zu einem Braunwerden der Schnittflächen von Unterlage und      Edelreis. Eine Oxidation der Säfte der verletzten Zellen findet statt.
2. Nach 4-5 Tagen ist diese Reaktion auf den Schaden, der dem Gehölz zugefügt worden ist durch das Bilden einer Isolierschicht abgeschlossen.
3. Genauso lange dauert es bis die Unterlage mit der Zellteilung beginnt und einen Wundkallus bildet, der sich zwischen den Veredelungspartnern ausbreitet. Schon jetzt kommen die Gewebe beider Partner in Kontakt miteinander und Wasser und andere Stoffe werden über provisorische Kanäle ausgetauscht.
4. Dieser Prozess setzt sich fort und wenn man den Wundverband straff genug angelegt hat nimmt der Druck zwischen Edelreis und Unterlage zu.
5. Langsam, das heißt nach 15 bis 20 Tagen wird die anfänglich gebildete Isolierschicht wieder abgebaut und dem Stoffwechsel zugeführt. Aus dem Gewebe, das sich an der Unterlage gebildet hatte, werden erste Brücken aus Grundgewebe in Richtung Rindengewebe des Edelreises gebildet.
6. Die Versorgung des Reises mit Wasser kann jetzt besser vonstatten gehen und dieses beginnt seinerseits mit der Zellteilung.
7. Die Kambien und das Korkgewebe wachsen zusammen. Es bilden sich nun die endgültigen Transportleitungen für Wasser und Nährstoffe, zuerst im Holzteil, dann im Bastgewebe. Je nach Witterung, bei warmen Wetter schneller, dauert die Verwachsung etwa 30 bis 50 Tage.

 Eine gelungene Kopulation, daneben Reiser, die noch nicht ausgetrieben haben

Eine gelungene Kopulation, daneben Reiser, die noch nicht ausgetrieben haben

 

Die Okulation

Eine andere Veredelungsmethode ist die Okulation. Sie wird bei Obstbäumen im Sommer durchgeführt. Hier nimmt man von dem Edelreis nur ein Auge und setzt es in die Unterlage ein. (Genaueres folgt noch.)

Man kann schon nach zehn Tagen sehen, ob die Veredelung erfolgreich war. Trocknen der Blattstiel und die Knospe ein, ist die Okulation misslungen.

Nach der Okulation sind Knospe und der Rest des Blattstieles vertrocknet In dem Bastverband sind das Edelauge und der Rest des Blattstieles deutlich als eingetrocknet zu erkennen

Die Veredelung ist missglückt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf den nächsten Bildern ist eine gelungene Veredelung zu sehen.

 

Die Knospe, auch Auge genannt und der grüne Blattstiel sind deutlich zu erkennen

 

Die Knospe, auch Auge genannt und der grüne Blattstiel sind klar zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiteres Indiz für das Gelingen der Okulation findet man darin, dass sich der Blattstiel schon bei einer leichten Berührung von der Blattnarbe löst.

Das Grün der Blattnarbe ist deutlich zu erkennen Deutlich zu erkennen ist das Grün der Blattnarbe unmittelbar nach dem Entfernen des Blattstieles.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem T-Schnitt wird die Rinde mit dem Rindenlöser an der Rückseite des Okulationsmessers angehoben.

 

 

Das Auge ist eingesetzt, wie der Verband gemacht wird sieht man auf den obigen Bildern.